Der Kletterkarabiner ist ein unverzichtbares Element in der Ausrüstung eines Bergsteigers oder Sportkletterers. Vielseitig einsetzbar und sicherheitsrelevant dient er dazu, verschiedene Komponenten der Sicherungskette miteinander zu verbinden – sei es zur Sicherung des Vorsteigers oder Nachsteigers, an Standplätzen oder bei verschiedenen Klettermanövern. Allerdings sind nicht alle Karabiner gleich, und die Wahl des richtigen Modells je nach Einsatzzweck kann einen entscheidenden Unterschied in puncto Sicherheit und Leistungsfähigkeit ausmachen. Dieser Artikel führt Sie durch die verschiedenen Karabinertypen, ihre Besonderheiten und Einsatzbereiche, um Ihnen zu helfen, die optimale Wahl für Ihre Anforderungen zu treffen.
Die wichtigsten Punkte:
- Wählen Sie einen birnenförmigen HMS-Karabiner für das Sichern und den Halbmastwurf
- Verwenden Sie einen D-förmigen Karabiner vom Typ B für Standplätze, Verbindungselemente und einfache Verankerungen
- Bevorzugen Sie eine automatische Verriegelung, um ein unbeabsichtigtes Offenlassen in der Kletterhalle zu vermeiden
- Ein richtungsspezifischer Karabiner sorgt stets für eine Belastung entlang der Hauptachse, was die Bruchfestigkeit erhöht
- Prüfen Sie die Festigkeit in Kilonewton (kN): mindestens 20 kN bei geschlossener Hauptachse
- Ersetzen Sie jeden Karabiner, der abgenutzt, verbogen ist oder einen starken Sturz erlitten hat
Inhaltsverzeichnis
- Das unverzichtbare Zubehör in der Kletterausrüstung
- Was ist ein HMS-Karabiner?
- Was ist ein Karabiner vom Typ B?
- Automatik- oder Schraubverschlussmodelle?
- Was ist ein richtungsabhängiger Karabiner?
- Welcher Karabiner für die Kletterlanyard und zum Selbstsichern?
- Welcher Karabiner für das Sicherungssystem?
- Welcher Karabiner zum Abseilen?
- Welcher Karabiner für den Standplatzbau?
- Unter welchen Bedingungen verwendet man einen großen Karabiner?
- Empfehlung nach Disziplin
- Häufige Fehler, die vermieden werden sollten
- Wie liest man die Bruchlast eines Karabiners? Welche Belastung hält er aus?
- Kurzer Hinweis zur Norm
- Wann sollte ein Karabiner ausgetauscht werden?
Das unverzichtbare Zubehör in der Kletterausrüstung
Der Karabiner ist weit mehr als nur ein einfaches Zubehörteil: Er ist ein zentrales Sicherheitselement beim Klettern. Er wird verwendet, um Seile, Expresssets, Sicherungsgeräte oder Standplatzsysteme zu verbinden. Dabei muss er gleichzeitig robust, zuverlässig und für den jeweiligen Einsatzbereich geeignet sein. Egal, ob Sie Einsteiger oder erfahrener Kletterer sind – das Verständnis der verschiedenen Karabinertypen und ihrer Eigenschaften ist entscheidend, um Ihre Sicherheit zu gewährleisten.
Was ist ein HMS-Karabiner?
Ein HMS-Karabiner (Halbmastwurf-Sicherung) in Birnenform ist ein asymmetrisches Modell mit einer breiten Basis und einer schmaleren Oberseite. Diese Form erleichtert die Verwendung von Knoten wie dem Halbmastwurf und wird als Sicherungskarabiner empfohlen, um das Abseilgerät mit der Anseilschlaufe des Klettergurts zu verbinden. Durch seine spezielle Geometrie bleibt das Seil oder die Seile beim Sichern optimal im Achsverlauf ausgerichtet.
Was ist ein Karabiner vom Typ B?
Karabiner vom Typ B sind Basismodelle, die häufig für einfache Anwendungen wie das Verbinden von Expressschlingen oder Sicherungsschlingen verwendet werden. Sie sind in der Regel leichter und kostengünstiger als spezialisierte Varianten. Durch ihr stark asymmetrisches Profil eignen sich Typ-B-Karabiner besonders gut zum Bau eines Standplatzes, da das Seil stets nahe der Hauptachse und fern vom Schnapper läuft. Mit Karabinern des Typs B wird somit die volle, geprüfte Bruchfestigkeit des Materials ausgenutzt.
Zur einfachen Unterscheidung der verschiedenen Typen verwenden die Hersteller eine spezifische Kennzeichnung: ein H für HMS-Karabiner und ein B für Typ-B-Modelle. Einige Ausführungen tragen die doppelte Norm H+B.
Automatische Karabiner oder Schraubverschlussmodelle?
Automatische Karabiner sind mit einem Verschlusssystem ausgestattet, das sich selbstständig schließt, sobald man den Schnapper und die Hülse loslässt. Dies bietet ein höheres Maß an Sicherheit, da unbeabsichtigtes Öffnen oder das Vergessen des Verschlusses verhindert wird. Sie eignen sich ideal als Sicherungskarabiner in der Kletterhalle, da sie bei jeder Route spürbar Zeit sparen.
schraubverschluss hingegen müssen per Hand verriegelt werden. Sie sind leichter und häufig günstiger, erfordern jedoch ständige Aufmerksamkeit, um sicherzustellen, dass sie korrekt geschlossen sind.
Tipp: Am Fels und in Mehrseillängenrouten empfehlen wir Ihnen – abgesehen vom Sicherungskarabiner – den Verschlusstyp all Ihrer Karabiner zu vereinheitlichen, um Zeit zu sparen und Verwechslungen zwischen automatischen und manuellen Modellen zu vermeiden.
Was ist ein richtungsorientierter Karabiner?
Ein richtungsorientierter Karabiner ist so konstruiert, dass er stets in der richtigen Position bleibt. Dadurch arbeitet er immer entlang seiner stärksten Achse. Solche Modelle sind besonders interessant als Sicherungskarabiner am Anseilpunkt beim Klettern – sowohl mit einem klassischen Sicherungsgerät als auch mit einem Grigri oder einem anderen Halbautomaten. Außerdem wird er im Alpinismus am Anseilring verwendet, um ein Seil mit einem einfachen Mastwurf zu befestigen.
Welcher Karabiner für die Kletter-Selbstsicherung und zum Einbinden?
Für die Selbstsicherung, also das Einhängen an einem Fixpunkt mit einer Verbindungsschlinge, empfiehlt es sich, einen Schraub- oder Autolock-Karabiner vorzugsweise vom Typ B und idealerweise in D-Form zu verwenden. Karabiner des Typs B haben den Vorteil, dass das Seil stets entlang der Hauptachse verläuft, was eine optimale Bruchfestigkeit gewährleistet. Die D-Form bietet zudem die beste Handhabung – auch mit Handschuhen.
Tipp: Sie können zwischen der Schlaufe der Selbstsicherung und dem Karabiner einen kleinen Gummiring (String) anbringen – ähnlich wie bei einer Expressschlinge –, um sicherzustellen, dass der Karabiner stets korrekt ausgerichtet bleibt.
Welcher Karabiner für das Sicherungssystem
Für das Sicherungssystem wird in der Regel ein Richtungs-Karabiner empfohlen, insbesondere wenn Sie ein Gerät wie ein GriGri verwenden. Der kleine Sicherungssteg verhindert, dass sich der Karabiner am Klettergurt verdreht und auf der schwächeren Querachse belastet wird – die ungünstigste Position, um die Energie eines Sturzes aufzunehmen. Ein Modell mit automatischer Verriegelung oder Schraubverschluss ist unerlässlich, um ein unbeabsichtigtes Öffnen zu vermeiden.
Welcher Karabiner eignet sich für das Abseilen?
Für einen Abseilvorgang werden in der Regel zwei Karabiner benötigt: der Karabiner der Selbstsicherungsschlinge, um den Abseilachter oder das Abseilgerät zu befestigen, und ein zweiter Karabiner für den selbstsichernden Knoten wie Prusik oder Machard. Wie bereits erwähnt, sollte der Karabiner der Verbindungsschlinge vorzugsweise vom Typ B sein, während der zusätzliche Karabiner weniger spezifisch gewählt werden kann.
Welcher Karabiner eignet sich für einen Standplatz?
Für Standplätze ist ein großer Karabiner vom Typ B mit automatischer oder Schraubverriegelung ideal. Seine Form sorgt dafür, dass das Seil stets auf der stabilsten Seite geführt wird und erleichtert gleichzeitig das Handling der Seilstränge und Knoten. Das Verriegelungssystem gewährleistet dabei maximale Sicherheit. Für einen gleichmäßig verteilten Standplatz (Dreiecksstandplatz) benötigen Sie selbstverständlich zwei Karabiner vom Typ B an den Fixpunkten sowie einen dritten, um die beiden Standplatzstränge zu verbinden. Für diesen letzten empfiehlt es sich, ein Modell mit größerer Öffnung zu wählen, um mehr Komfort und Platz beim Einhängen zu haben.
Unter welchen Bedingungen verwendet man einen großen Karabiner?
Ein großer Karabiner, häufig als „Standplatzkarabiner“ oder „Haul-Karabiner“ bezeichnet, wird in Situationen eingesetzt, in denen eine hohe Bruchlast erforderlich ist. Zum Beispiel beim Hochziehen eines schweren Rucksacks oder bei komplexen Manövern in Mehrseillängenrouten bietet ein groß dimensionierter Karabiner eine bessere Lastverteilung und eine einfachere Handhabung, während er gleichzeitig mehr Ausrüstung aufnehmen kann.
Empfehlung nach Disziplin
Indoor-Klettern
In der Kletterhalle stehen einfache Handhabung und passive Sicherheit im Vordergrund. Ein selbstverriegelnder HMS-Karabiner eignet sich besonders gut zum Sichern, da er Fehlbedienungen beim Schließen verhindert und wiederholte Handgriffe beschleunigt. Richtungsabhängige Karabiner sind ebenfalls sinnvoll am Anseilpunkt, um eine konstante Belastung entlang der Hauptachse zu gewährleisten.
Sportklettern am Fels
Beim Felsklettern ist Vielseitigkeit entscheidend. Schraubkarabiner vom Typ B werden bevorzugt für Standplätze, Verbindungselemente und Sicherungsschlingen eingesetzt, während ein HMS-Karabiner weiterhin für das Sichern empfohlen wird. Eine einheitliche Verriegelungsart am gesamten Material reduziert das Risiko von Bedienfehlern bei den Sicherungsmanövern.
Mehllängenrouten
Beim Mehrseillängenklettern sind Materialorganisation und Langlebigkeit ausschlaggebend. Robuste Karabiner vom Typ B eignen sich für Standplätze und dauerhafte Belastungen, während größere Modelle die Handhabung mit mehreren Seilsträngen oder Knoten erleichtern. Richtungsabhängige Karabiner erhöhen zusätzlich die Sicherheit am Anseilpunkt beim Nachsichern des Partners.
Alpinismus
Im Bergsteigen sind Gewicht und Zuverlässigkeit entscheidend. Leichte Karabiner vom Typ B werden für Zwischensicherungen und Standardmanöver verwendet, während richtungsabhängige oder HMS-Karabiner am Anseilpunkt beim Sichern oder für Mastwurfknoten geschätzt werden. Besonderes Augenmerk gilt dem Verschleiß durch Reibung und wiederholte Belastung.
Häufige Fehler, die Sie vermeiden sollten
- Verwendung eines unverschlossenen Karabiners zur Sicherung oder als Verbindungselement.
- Belastung des Karabiners über die Nebenachse oder gegen eine scharfe Kante.
- Weiterverwendung eines abgenutzten Karabiners mit ausgeprägten Rillen oder sichtbaren Verformungen.
- Unüberlegtes Mischen verschiedener Verschlusssysteme bei Sicherungs- oder Umlenkmanövern.
Wie liest man die Bruchlast eines Karabiners? Welche Belastung hält er aus?
Die Bruchfestigkeit eines Karabiners wird in der Regel in Kilonewton (kN) auf dem Etikett oder direkt am Körper des Karabiners angegeben. Ein Karabiner mit der Kennzeichnung „25 kN“ kann beispielsweise einer Belastung von 25 Kilonewton standhalten, bevor er versagt (Wert für den optimalen Einsatz). Es ist entscheidend, diese Angaben zu prüfen, um sicherzustellen, dass der Karabiner für den vorgesehenen Einsatzzweck und die zu erwartenden Lasten geeignet ist.
Kurze Erinnerung an die Norm
Kletterkarabiner müssen strengen Normen entsprechen, um ihre Sicherheit und Belastbarkeit zu gewährleisten. In Europa erfüllen Kletterkarabiner die Norm EN 12275. Diese Norm stellt sicher, dass Karabiner bestimmte Lasten tragen können und Prüfungen auf Festigkeit sowie Dauerbelastung standhalten.
Die Norm EN 12275 legt folgende Mindestbruchlasten fest:
- 20 kN in Längsrichtung bei geschlossenem Schnapper (entspricht 2000 kg)
- 7 kN in Längsrichtung bei geöffnetem Schnapper (entspricht 700 kg)
- 7 kN in Querrichtung bei geschlossenem Schnapper (entspricht 700 kg)
Wann sollte ein Karabiner ausgetauscht werden?
Ein Karabiner hat theoretisch eine unbegrenzte Lebensdauer, muss jedoch ersetzt werden, sobald er Abnutzungserscheinungen oder Verformungen zeigt. Durch wiederholtes Reiben des Seils kann das Metall, insbesondere bei Sicherungskarabinern, eingelaufen werden. Sobald diese Abnutzung sichtbar oder beim Berühren spürbar ist, gilt der Karabiner als nicht mehr sicher.
Er sollte außerdem nach einem starken Sturz oder unsachgemäßer Verwendung ersetzt werden, da dabei Mikrorisse oder Verformungen entstehen können – besonders bei leichten Drahtschnapper-Modellen. Im Zweifelsfall ist ein Austausch zwingend erforderlich.